Eine Idee aus Österreich findet seit einigen Jahren auch in Deutschland Verbreitung: Die GemüseSelbstErnte oder auch einfach Selbsternte. Biobauern stellen Menschen Ackerland zur Verfügung und diese hegen und pflegen ihre Ackerparzelle für die Dauer der Saison. Und neben dem Häckeln, Mulchen, Anhäufeln und Rupfen von Unkraut geht es natürlich vor allem um eins: Ernten!
Die meisten der Gemüse-, Blumen- und Kräutersorten werden vom Bauern vorab gesät oder als Jungpflanzen gesetzt. Je nach Anbieter sind so bereits bei Übernahme der Parzelle 20–30 unterschiedliche Sorten gepflanzt. Und nach den ersten drei bis vier Wochen lassen sich schon die ersten Radieschen, frischer Spinat und Pflücksalat ernten.
Gemüse von der Kinderstube bis zum Kochtopf

Gemeinsamer Acker dient nicht nur zum Gemüseernten, sondern auch für Austausch mit Gleichgesinnten, Quelle: V. Topinambur
2008 hörte ich erstmals von der Selbsternte und dem GemüseSelbstErnte-Projekt „Gartenglück“ in Köln. Bis dahin hatte ich angenommen, es wäre mindestens ein eigener Garten oder ein Schrebergarten nötig, um selber Gemüse anzubauen. Davon mal abgesehen, dass ich einen ordentlichen Respekt vor einer solchen Unternehmung hatte.
Denn obwohl ich auf dem Land aufgewachsen bin, hatte ich keine Ahnung, wie Rosenkohl, Erbsen oder Paprika „aufwachsen“. Im Garten meiner Eltern gab es wundervolle Blumen, viel Wiese, Obstbäume und -sträucher.
Aber mein Interesse an der Gartenarbeit war mit dem Rechen von Laub, Pflücken von Äpfeln und Pflaumen, Rasenmähen und Naschen an den Johannisbeersträuchern rasch erschöpft. Gemüse gab es also bis zur Entdeckung der Selbsternte entweder vom Gemüsehändler, Markt oder aus dem Supermarkt.
Ein kleines Stück vom Gartenglück
Die GemüseSelbstErnte ist für meine Bedürfnisse perfekt: Ein Stückchen „eigenes“ Land, Austausch mit anderen Teilzeit-Amateurbauern und am Ende hoffentlich einen Berg von Gemüse. Unterstützung gibt es von den Profis, den netten Biobauern und Parzellenvermietern, die wöchentlich „Sprechstunde“ am Acker abhalten und beispielsweise bei der Unterscheidung von Unkraut und Jungpflanzen helfen.
Was schwerer ist, als man denkt: Als zarte Sprösslinge sieht sich das Grünzeug doch verflixt ähnlich. Wertvoll ist auch die Beratung, welche Pflanze man zu welcher setzen kann. Nicht alle Sorten können miteinander, während andere sich gegenseitig die Schädlinge vom Leib halten.
Bio und regional
In der Selbsternte ist nur Bio-Saatgut zugelassen und mit einer durchdachten Mischkultur hält sich der Schädlingsbefall in Grenzen. Nicht erst seit den Lebensmittelskandalen ist mir die Lebensmittelindustrie suspekt. Unbehandeltes Gemüse selbst ernten und innerhalb kürzester Zeit mit kürzestem Transportweg frisch auf den Tisch – unschlagbar.
Das lässt sich nicht nur mit dem Gewissen gut vereinbaren, das freut auch die Köchin und Genießerin in mir: Wer einmal frisch geerntete grüne Bohnen oder frisch gezupften Spinat auf dem Teller hatte, wird mit dem Gemüse aus dem Supermarkt nicht mehr glücklich sein.
Auf die Plätze, fertig …
Mein Stückchen Acker ist reserviert und bezahlt. Demnächst findet eine kleine Begrüßungsveranstaltung statt, auf der sich alle Parzellenmieter kennenlernen können und der Pflanzplan bekannt gegeben wird. In jedem Jahr werden die Sorten sorgfältig zusammengestellt und auch mal eine alte, beinahe vergessene ausprobiert.
Richtig los geht es mit der Übergabe der Parzellen im Mai. Ich werde hier im Blog ab sofort regelmäßig berichten, wie sich das junge Gemüse macht. Denn bis zur Übergabe gibt es keinen Grund, auf der faulen Haut zu liegen. Die ersten Samentütchen sind eingetroffen und die Anzucht von Wildtomaten, Wirsing, Chili, Kürbis und Spitzkohl möge beginnen!



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