Nachdem die Ernte vor kurzem noch eher gemächlich mit Rauke, Spinat, Salat und Radieschen losging, läuft die Zellteilung auf der Ackerscholle nun auf Hochtouren. Jeder Besuch erzeugt große, staunende Augen. Das Feld ist kaum mehr wiederzuerkennen. Ein fruchtbares, blühendes und grünendes Paradies, ein Schlaraffenland für alle Gemüse-Junkies.
Die ersten Kohlrabi sind geerntet und verspeist. Es ist erstaunlich, wie groß der Unterschied ist zwischen dem frisch geernteten Kohlrabi und denen aus dem Supermarkt. Die frisch geernteten Kohlrabi schmecken zart und intensiv. Nicht jeder schätzt Kohlrabi, aber ich möchte behaupten, dass die Ablehnung mit der Erinnerung an verkochte, muffige Kohlspeisen aus Kantinen und Omas Töpfen zusammenhängen mag. Wie auch der arme Rosenkohl daher häufig geschmäht wird. Nur kurz gedünstet behalten die Kohlköpfchen ihren zarten, leicht süßlichen Geschmack und werden nicht “kohlmuffig”.
Die Spitzkohl-Ernte beginnt. Drei Köhler wachsen um die Wette. Einen habe ich bereits geerntet, damit ich nicht mit dreien zugleich ratlos in der Küche stehe. Der Spitzkohl ist so süß und knackig, dass man ihn ausgezeichnet roh als Krautsalat essen kann. Aber auch beispielsweise gedünstet mit Pasta, Pinienkernen und Kirschtomaten ein Genuss.
Erste Zuckerschoten werden reif, von denen die ersten direkt in den Mund gepflückt am besten schmecken. Erbsen sind anlehnungsbedürftig und benötigen eine Rankhilfe. Wir haben aus Ästen und mit Garn eine Rankhilfe gebastelt. Wie auch für die Tomaten. Der Phantasie sind jedoch keine Grenzen gesetzt. Und auch die Standardlösungen aus dem Baumarkt tun ihren Dienst.
Die durch den reichlichen Regen im Wechsel mit Sonnenschein rasant wachsenden Zucchini drohen mit Früchten. Kartoffeln, Buschbohnen und Markerbsen blühen. Besondere Freude macht mir die eine einsame Puffbohne, die prächtig in Zyklam blüht. Im nächsten Jahr werde ich mit dem Vorziehen hoffentlich etwas erfolgreicher sein, so dass ich eine ganze Reihe mit Puffbohnen setzen kann.
Opfer gibt es jedoch auch: Die Gurke ist leider verstorben. Ich gestehe, ich bin nicht unschuldig daran. Beim Häckeln der Erde habe ich mich beim letzten Mal etwas zu forsch an die Junggurke herangehäckelt und den Trieb verletzt. Diesen tätlichen Angriff hat sie nicht verkraftet.
Bei der nächsten Sprechstunde am Feld werde ich daher mal prüfen, welche Jungpflanzen es zum Nachsetzen gibt. Gerne möchte ich die Ananaskirsche ausprobieren, die der Physalis sehr ähnliche Früchte entwickelt. Ohnehin sind einige Plätze nun frei durch die Ernte von Kohlrabi und Radieschen. Außerdem blühen Rauke und Spinat, wodurch sie ihren Geschmack verändern und demnächst anderen Pflanzen weichen müssen. Rauke lässt sich ganzjährig nachsäen, Spinat erst wieder, wenn es am Ende des Sommers kühler wird.
Das Ernteglück setzt sich in der Küche fort. Was lässt sich mit dem geernteten Grünzeug anfangen? Mir macht es einen Riesenspaß, mir Rezepte auszudenken und auf der Suche nach Inspiration in Kochbüchern zu blättern. Soviel ist sicher: Die Versorgung mit Gemüse scheint für die nächsten Monate mehr als gesichert.






