Interview mit Klasse im Garten über ihr Garten: “Das Sein-lassen und beobachten, was sich entwickelt.”

Garten im Frühsommer, Foto: B. Rieser

Garten im Frühsommer, Foto: B. Rieser

Stellen Sie bitte sich und Ihren Garten (Größe, Lage) kurz vor.

Ich lebe seit der Kindheit mit dem Garten. Er ist 3000m² groß und liegt an einem Bach in einer windigen Gegend im pannonischen Osten Österreichs. Hier sind die Winter kalt (mit einigen Wochen bis zu -15 ̊C auch tagsüber muss man immer rechnen) und oft ohne Schneedecke, die Sommer heiß und regenarm. Der Boden ist nährstoff- und kalkreiche Schwarzerde und durch den relativ hohen Grundwasserspiegel gut mit Wasser versorgt.
Was soll ich über mich sagen? Durch die Jahre ist meine Begeisterung fürs Gärtnern immer weiter gewachsen. Weiterbildungen, ein Volontariat im Wiener Botanischen Garten und eine formelle Ausbildung aus Großbritannien waren Folge des Virus.

Wie lange pflegen Sie Ihren Garten schon? Wie haben Sie ihn übernommen?

Mitte der 60er Jahre haben ihn meine Eltern als aufgelassenen verwachsenen Gemüseacker mit zwei alten Walnussbäumen, vier Obstbäumen und einem kleinen Haus übernommen. Seit Mitte der 90er Jahre kann ich mit meiner Familie ganzjährig hier leben.

Wie haben Sie ihn gestaltet? Wo holen Sie sich Anregungen her?

Meine Eltern pflanzten weitere (Obst)bäume und Sträucher, der Rest wurde zu Kräuterrasen und einer großen Heuwiese. Außerdem hat sich im Laufe der Jahrzehnte lokale Flora von Bäumen bis zu heimischen Orchideen angesiedelt.

An den großen Strukturen habe ich nichts geändert, auch die beiden Walnussbäume stehen noch. Wo Not, haben wir den Baumbestand erneuert und viele Sträucher ergänzt, besonders gerne (heimisches) Wildobst oder Dufter. Einige Hecken quer zur Längsachse trennen Teilbereiche im Garten ab, z.B. den Gemüse- und Kräutergarten in der Nähe der Küchentür.

Das wichtigste ist, dass sich der Garten der Gegend unterordnet, aus der Entfernung in ihr aufgeht. Ein mir besonders lieber Teil ist das Wäldchen, das ich Ende der 90er Jahre als lebende Erinnerung an später flurbereinigten Wäldchen meiner Kindheit gepflanzt habe. Die Vögel lieben es so sehr wie ich, und jedes Jahr nisten Nachtigallen im Dickicht.
Pflanzen für den Garten müssen winterhart sein und, ausser im Gemüsegarten, ohne zusätzliche Bewässerung durchkommen, und den Boden mögen (es gibt also keine Rhododendren hier).

Anregungen kamen (und kommen) aus Medien, anderen Gärten und ihren GärtnerInnen, und nicht zuletzt zwei Fachmenschen in der Familie. Bei Bepflanzungsideen achte ich darauf, wie der Garten gepflegt wird, aus dem sie stammen – manches was in konventionellen Gärten gut geht, funktioniert in einem ‚Bio’garten nicht, oder nur abgewandelt.

Garten im Frühherbst im schräg einfallenden Morgenlicht, Foto: B. Rieser

Garten im Frühherbst im schräg einfallenden Morgenlicht, Foto: B. Rieser

Was ist besonders an Ihrem Garten?

Reichstes Tierleben, das Zusammenspiel an Geräuschen, vielen Düften, Grüntönen. Und die vielen, teilweise raren, Gehölze. Das Sein-lassen und beobachten, was sich entwickelt. Unkräuter als Wildgemüse genutzt. Dass es keine ‚Deko‘ gibt, sondern alles dekorative eine Geschichte hat, oder ein Sinnbild ist.

Wie sieht ein typischer Gartenalltag bei Ihnen aus?

Schwierig, das ist ja sehr abhängig von den Jahreszeiten. Viel Schauen, immer wieder selektiv Eingreifen wer wo wie viel wachsen kann. Ein großer Teil der anfallenden Arbeit ist das wuchsgerechte Schneiden der Gehölze. Häufige Arbeiten sind auch Mulchen, Ernten, das Mähen der Wiesenbereiche.

Was „gibt“ Ihnen der Garten?

Frieden. Das Miterleben von Veränderung.

Wo informieren Sie sich über Gartenthemen oder tauschen sich mit anderen Gartenenthusiasten aus?

In Gesprächen mit GärtnerInnen und Fachleuten, aus Printmedien, bei Fachtagungen, in Internetforen und on-line Fachquellen. Mittlerweile bin ich sehr gut beim Informationen suchen.

Welche Tips würden Sie Gartenanfängern geben?

Bloß nicht hudeln, sondern den Garten beobachten – was wächst wo, wie verändert sich die Stimmung im Laufe eines Jahres, wo brauchen Sie Wege und Plätze. Zuallererst die Gehölze passend zum Standort aussuchen und setzen, sie wachsen am langsamsten. Nicht zu viel zusammenräumen, sonst werden die Verbündeten im Garten durch Wohnungs- und Nahrungsverlust vergrault

Brigitte Rieser mit ihrem Projekt Klasse im Garten im Web:

Vielen Dank für das Interview!

Möchten Sie auch Ihren Garten vorstellen? Dann einfach die Fragen beantworten und mit Bild an socialmediateam@ulmer.de schicken.

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  • Brigitte Rieser

    es freut mich, dass ich den reigen der hoffentlich zahlreichen interviews eröffnen konnte. Für mich ist dieses interview eine schöne ergänzung zur Gartenmenschen-reihe in der ‘Gartenpraxis’.

    lg, brigitte rieser

    • http://socialmedia.ulmer.de Social Media Team, Ulmer Verla

      Wir freuen uns auch, daß Sie mutig vorangeschritten sind und bedanken uns recht herzlich für das lesenswerte Interview!

  • Bernd

    wow brigitte
    das foto vom garten im früherbst ist ein hammer!