Interview mit Cordula Metzger über ihren Garten: “Zur Zeit ist das Besondere an sich aber natürlich noch, dass es ein sehr unfertiger Garten ist”

Blick in den Gemüsegarten, Foto: Cordula Metzger

Blick in den Gemüsegarten, Foto: Cordula Metzger

Stellen Sie bitte sich und Ihren Garten (Größe, Lage) kurz vor.

Bisher habe ich den Garten noch nicht ausgemessen, ich vermute jedoch,  er ist so in etwa 1.100 qm groß. Eine wirkliche Steigerung für mich, war ich es doch bisher gewohnt auf gerade mal 200 qm zu gärtnern.

Mein Garten ist im südlichen Schleswig-Holstein im Kreis Herzogtum Lauenburg im schönen „Rosendorf“ Labenz. Die Lage ist (für einen Norddeutschen zumindest) sogar ein wenig erhöht. Das Grundstück ist in einer ruhigen Seitenstraße. Und an 2 Seiten des Grundstücks grenzt eine Pferdekoppel, so dass ich hier auch zu überlegen habe, welche Pflanzen dort z. B. wegen Giftigkeit nicht gepflanzt werden können.

Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

Wie lange pflegen Sie Ihren Garten schon? Wie haben Sie ihn übernommen?

Jetzt bitte nicht lachen. Im Juni letzten Jahres (2010) haben wir mit der Bauphase begonnen, parallel dazu musste der Umzug meines Gartens bewältigt werden und wenn jemand so eine Sammelleidenschaft besitzt wie ich, kann man auch auf 200 qm allerhand unterbringen. So mussten etwa 300 oder mehr Pflanzen bis September umziehen. Der Garten ist in den letzten Jahren aus Altersgründen sehr ungepflegt gewesen. Aber es war einmal ein schöner Garten, in dem viel Liebe und Zeit investiert wurde.  Auch wenn mir das Gras und die Brennesseln bis zum Hals standen, Nelkenwurz  und Knoblauchsraute die Flächen erobert haben und die Brombeeren einen ganzen Apfelbaum unter sich begruben, habe ich mich schon beim ersten Mal in dieses Grundstück, die Lage und das Haus verliebt. Es gab sogar eine Laube, die mit Flieder und Feldsteinen eingerahmt war. Inzwischen haben wir sie wieder weitestgehend freigelegt. Der Garten führt einmal um das gesamte Haus herum.

Magische Ecke mit Obstbauhecke, Foto: Cordula Metzger

Magische Ecke mit Obstbauhecke, Foto: Cordula Metzger

Wie haben Sie ihn gestaltet? Wo holen Sie sich Anregungen her?

Ich gestehe, ich bin manchmal ein recht planloser Gärtner. Auch wenn einige Grundideen vorhanden sind. Gestalten möchte ich den Garten mit den bestehenden Gegebenheiten, dabei natürlich aber auch meine Sammelleidenschaft für besondere Pflanzen befriedigen.

Das vorne im Vorgarten die bestehenden Bäume (Flieder, Forsythien, rote Hasel, Zierapfel, Kricke?, Apfelbaum und Eibe) bleiben, stand für mich von Anfang an fest. 3 Fichten stehen ebenfalls noch auf dem Grundstück, die sollten eigentlich weg, doch nachdem wir jetzt fast ein Jahr beobachten, wie viele Tiere in diesen 3 Fichten leben, dürfen sie eben doch bleiben. Und genau an dieser Stelle fängt der Spagat an. Er soll naturnah sein und Tieren Zuflucht bieten (das klappt auch mit 3 Katzen). Trotzdem möchte ich nicht nur heimische Pflanzen beherbergen, sondern auch andere Raritäten, nach denen es mich verlangt.

Der Garten wird in verschiedene Bereiche aufgeteilt, nach Lage und Gegebenheiten.

Vorne auf der Südseite ist der Vorgarten inkl. Laube. Die Beete sollen eigentlich farblich gestaltet werden. Dafür muß aber noch einiges umgepflanzt werden.

Auf der Westseite befindet sich der Gemüsegarten, meine sogenannte magische Ecke und unsere Terrasse. Unter Bergen von Brombeeren habe ich schließlich einen umgefallenen lebenden Apfelbaum freigelegt. Diese gefallene Baum bildet den Mittelpunkt. Dort wächst ein weiterer Apfelbaum, ein Birnenbaum, eine Glaskirsche und Haselnuß. Im Moment ist diese Ecke noch nicht fertig. Ziel ist es, die Gegebenheiten, die sich mir bieten zu nutzen. Es ist ein schattiger Bereich, der fast Waldcharakter besitzt. Ich werde also Stück für Stück quadratmeterweise Nelkenwurz entfernen, um die Fläche dort mit verschiedenen Pflanzen wieder neu zu gestalten. Unter anderem sind dort schon Pflanzen wie Leberblümchen, Haselwurz, Waldziest, Baldrian, Scilla, Farn, Waldsauerklee gepflanzt, die sich gerne langsam (also von mir aus auch schnell…) ausbreiten sollen.

Die Ost- und Nordseite sind noch sehr vernachlässigt. Auf der Nordseite habe ich aus Bauschutt und roten Bruchziegeln einen Kräuterhügel gebaut. Da ist zu erkennen, woher die Ideen kommen (ein Haufen Schutt – Lehmboden – ein Haufen roter kaputter Bachsteine, was bietet sich da besser an, als ein Kräuterbeet mit magerem Boden zu schaffen, in dem die Kräuter den Winter auch überleben?).

verwilderter Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

verwilderter Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

Später soll auf der Nordseite noch ein Streifen mit Wildblumen entstehen und ein weiteres Rosenbeet, das wird jedoch dieses Jahr nicht mehr passieren.

Die Ostseite ist die „Problemzone“, den diese besteht komplett aus einer Durch-bzw. Auffahrt. Im ersten Schritt habe ich 4 Beete direkt an der Hauswand angelgt. Noch im November letzten Jahres, um empfindlichen Rosen einen guten Platz zu bieten.

Seit kurzem verlege ich Stück für Stück immer ein paar Steine Kopfsteinpflaster, um die „Gradlinigkeit“ des ganzen zu entzerren. An den Zaun soll später eine Reihe verschiedenster Obststräucher einen Platz finden und einen fließenden Übergang zum Wildpflanzenstreifen schaffen.

Anregungen gibt es viel. Ich blättere immer wieder Gartenzeitungen durch, lese in Foren mit. Meist ist es so, dass ich mir eine Gartenecke ansehe, wie ich sie gestalten möchte. Da kann ich auch Monate lang drüber nachdenken, bis eine passende Idee kommt. Vielleicht sogar durch irgendein Foto…. Es gibt jedoch auch die andere Variante: Ich lese etwas z. B. einen Artikel über Wildpflanzen bzw. Wiesen und dann geht es los. Wo oder wie kann ich das bei mir umsetzen. Geht das überhaupt, wenn ja, wann, wie und wo??? Kann ich das zum Zaun der Nachbarn machen oder doch nicht….?

anderer Blick in den Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

anderer Blick in den Vorgarten, Foto: Cordula Metzger

Was ist besonders an Ihrem Garten?

Das Besondere sind meine unterschiedlichen Leidenschaften. Ich liebe buntes Gemüse, aber auch historische Rosen. Kräuter finde ich einfach faszinierend, ebenso, wie Wildpflanzen und dann gibt es ausserdem noch andinen Knollen wie Oca (Oxalis tuberosum). Diesen verschiedenen Pflanzen jeweils das passende zu Hause zu geben, bietet dem Garten eine attraktive Vielfalt. Ich mag die etwas geordnete Wildnis. Eigentlich ein Widerspruch in sich….

Zur Zeit ist das Besondere an sich aber natürlich noch, dass es ein sehr unfertiger Garten ist. Während einige Ecken schon nach einem Jahr eine wunderschöne Einladung verheißen, gibt es wiederum andere Bereich, die einfach noch schrecklich unfertig anmuten und eben aussehen wie ein wilder vernachlässigter Garten…

Wie sieht ein typischer Gartenalltag bei Ihnen aus?

Nach der Arbeit mache ich gerne einen Rundgang, begutachte die Pflanzen, widme mich  „Problemkandidaten“, vielleicht brauche sie doch einen anderen Standort? Sammle Samen, zupfe hier Unkraut oder da. An freien Tagen brauche ich immer etwas länger, um zu starten und beginne dann irgendwann mit einem Projekt. Dieses Jahr wollte ich eigentlich noch nicht mit dem Kopfsteinpflaster im Eingangsbereich anfangen. Aber mir kam eine Zeitung in die Finger mit schönen Bilder von schönen Eingangsbereichen. Also habe ich doch schon einmal los gelegt.

Mohnmix, Foto: Cordula Metzger

Mohnmix, Foto: Cordula Metzger

Was „gibt“ Ihnen der Garten?

Ich habe an verschiedenen Stellen Stühle stehen, das ist wichtig, um bei einem Kaffe das Geschaffte zu geniessen. Aber es ist nicht nur das, ich geniesse auch die Ruhe, das Summen der Insekten, das Brummen des Kirschbaums zur Blüte, wenn er voller Insekten ist, das aufgeregte Lärmen der Vögel, wenn sie sich die Kirschen holen, das aufdringliche Miauen der Katzen, wenn sie meinen, ich solle Ihnen jetzt Aufmerksamkeit schenken, die Libellen vorbeirauschen zu sehen und wie sie sich an der Hauswand sonnen, der Duft der Rosenblüten, Phloxe oder Kräuter zu inhalieren….. Garten ist wie einer Art Meditation (auch beim Arbeiten). Ich entdecke Pflanzen und Tiere, widme mich Ihnen und das schaffte einen Ausgleich, eine innere Harmonie.

Ich mache mir zwar Gedanken, wenn sich der rote Mohn in meinem weissen Beet aussät, aber sieht er nicht trotzdem schön aus, wie sich die Bienen darin tummeln und der farbliche Kontrast, wenn sich die Sonne durch den Ilex bricht…?

Wo informieren Sie sich über Gartenthemen oder tauschen sich mit anderen Gartenenthusiasten aus?

Ich habe eine eigene Homepage mit einem Gartentagebuch und Pflanzenporträt, denn ich finde es wichtig, Erfahrungen weiter zu geben und zwar praktische, nicht nur das ganze theoretische Fachwissen….

Ausserdem liegt mir die Vielfalt am Herzen und damit auch der Austausch von Samen und Pflanzen unter Gärtnern. So bin ich denn auch bei facebook und in einigen Gartenforen aktiv. In unserer Umgebung haben wir ausserdem einen regelmäßigen Gartenstammtisch und es gibt einen Rosenpark bei uns im Dorf mit verschiednen Veranstaltungen, bei denen ich auch hin und wieder vor Ort bin.

Welche Tips würden Sie Gartenanfängern geben?

Ich persönlich würde empfehlen vieles einfach entspannter anzugehen. Gut, dann wächst dort eben etwas, was nicht geplant war. Ist es schön auf seine Art und Weise? Dann darf es eben bleiben.

Viele Gärtner sollten einfach wieder mehr mit dem „Bauch“ gärtnern, sich auf ihr Gefühl verlassen. Dafür müssen sie sich aber Zeit nehmen.

Stellt alte Stühle oder Bänke auf, mit einem schönen Blick. Riecht an den Pflanzen, fühlt an den Pflanzen, schmeckt sie (natürlich nicht alle) und seht sie an. Es sind die kleinen Dinge, die den Augenblick kostbar machen und an denen sich jeder erfreuen sollte. Bevor ich ein vermeintliche sUnkraut zupfe, wird es erst einmal begutachtet. Wer weiß, was das für ein kostbarer Schatz sein könnte.

Ganz wichtig, ist es aus meiner Sicht,  die Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Schatten, Bodenverhältnisse, Lage. Es gibt in jeder Umgebung Naturschutzvereine oder Hinweise auf Pflanzen, die in der Umgebung oder unter bestimmten Bedingungen wachsen. Es gibt auch schöne Wildpflanzen, die sich sogar gut in Staudenbeeten machen.

Herzlichen Dank an Cordula Metzger für das Interview!

Cordula Metzger im Netz:

Möchten Sie auch Ihren Garten vorstellen? Dann einfach die Fragen beantworten und mit Bild an socialmediateam@ulmer.de schicken.

Buchempfehlung zum Thema aus dem Ulmer Verlag

Grundkurs Gartendesign. John Brookes. 2008. 192 S. 263 Farbfotos, 66 Zeichn. geb. ISBN 978-3-8001-5443-2. 39,90 EUR

Mehr Informationen zum Buch und zur Buchbestellung finden Sie hier.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

This is some text prior to the author information. You can change this text from the admin section of WP-Gravatar  Hinter Garten2null.de steckt das Social Media Team des Ulmer Verlages. Diese Seite wird von Wenke Bönisch und Ulrike Strölin betreut. Read more from this author


  • CarpeDiem-living

    Der “unfertige Garten” wächst und ich dachte mir, ein paar neue Bilder sind sehenswert. In diesem Jahr gefällt mir die Grotte sehr gut, die schon im Garten bestand, aber wieder neu aufbereitet wurde: 
    http://www.carpediem-living.de/images/2012/Grottenblick_20120512.jpg
    Der Steinkreis soll noch wachsen….http://www.carpediem-living.de/images/2012/Steinkreis_20120506.jpg Im Gemüsegarten wird geteilt. Topinambur dürfen die Nachbarn gerne kosten:)http://www.carpediem-living.de/images/2012/Nachbarn_20120520.jpg 

    Ein besonderer Schatz ist der “gefallene Apfelbaum”, den wir freigelegt haben: http://www.carpediem-living.de/images/2012/gefallener_Apfelbaum_20120512.jpg