
Die becherförmigen Blüten der Scheinanemone wirken als würden sie durch den Garten tanzen. Foto: Robert Höck
Die japanische Schein-Anemone, botanisch Anemonopsis macrophylla, gehört zu den schönsten und zugleich seltensten Hahnenfußgewächsen überhaupt. Wild findet man die schmucke Waldstaude nur an vereinzelten Standorten in den Bergwäldern Honshus. Anemonopsis macrophylla gilt als monotypisch, was bedeutet, dass sie die einzige Art ihrer Gattung darstellt. Die wenigen Naturstandorte sind darum sehr kostbar und ausgesprochen schützenswert. Zu den nächsten Verwandten der Scheinanemone, zählen unter Anderen die Winterlinge, die Silberkerzen und etwas weiter entfernt, auch so bekannte Gartenblumen wie Akeleien, Eisenhüte, Waldreben, Wiesenrauten und Rittersporn.

Die innerste Tepalenreihe der Anemonopsis-Blüte, zeigt eine ansprechenden Farbverlauf, hin zu kräftigem Mauve. Foto: Robert Höck
Wachs und Porzellan
In der Gartenwelt entwickelt sich die Scheinanemone allmählich von einem gut gehüteten Geheimtip für Liebhaber, zu einem namhaften Schmuckstück für Schattengärten. Immer mehr Staudengärtnereien vermehren sie, denn sie hat viele Vorzüge. Für die leichtlebige Eleganz die schon eine einzelne Scheinanemone verbreitet, sind die bogig überhängenden Blütenstängel verantwortlich. An ihnen tanzen im Sommer die kugelrunden Knospen, die sich nacheinander zu anmutig nickenden, becherförmigen Blüten öffnen, deren Oberflächenstruktur an Wachs oder Porzellan erinnert. Sie bestehen aus drei Kelchblättern und mehreren Reihen von Tepalen. Die inneren Tepalen sind kräftig malvenfarben getönt, während die Äußeren von zartestem Rosa sind. Dadurch entsteht ein schöner Zweiton-Effekt, der die Blüten in Kombination mit der pendelnden Haltung unverwechselbar macht. Insegesamt kann eine gut eingewachsene Scheinanemone eine Höhe von etwa sechzig bis achtzig Zentimetern erreichen. Die dunkelgrünen Blätter sind zumeist dreilappig und gezähnt. Sie erinnern etwas an die Blätter der Silberkerzen, sind aber fester und fallen durch ihren Glanz auf. Die Blätter reagieren sehr empfindlich auf Stauhitze, volle Sonne und trockene Winde. Man sollte Anemonopsis darum nur an geschützten, halbschattigen oder absonnigen Plätzen im Garten auspflanzen. Sie liebt lockere, humusreiche Erde, mit saurem pH-Wert, die nie vollständig austrocknet und fühlt sich darum auch in Moor- und Heidegärten sehr wohl. Auf schattigen Balkonen und Terassen kann man sie auch als Topfpflanze ziehen, oder in größeren Trögen auspflanzen. Topfpflanzen brauchen aber einen guten Winterschutz, damit sie nicht komplett durchfrieren. Jutesäcke oder Luftpolsterfolie leisten hier besipielsweise gute Dienste. Ausgepflanzt im Garten kommen Scheinanemonen in Mitteleuropa in der Regel auch ohne zusätzlichen Schutz heil über den Winter. In kalten Gegenden, kann man den Stauden aber vor dem ersten Schneefall mit einer etwa dreissig Zentimeter dicken Schicht aus Falllaub, einen vorbeugenden Winterschutz geben.

Familienfoto: Die Akelei (Aquilegia buergeriana) und die Wiesenraute (Thalictrum delavayi) gehören wie auch die Scheinanemone (Mitte) zur großen Familie der Hahnenfußgewächse. Foto. Robert Höck
Scheinanemonen gekonnt inszeniert
Fühlt sich Anemonopsis im Garten wohl, ist sie eine sehr langlebige Staude, die von Jahr zu Jahr üppiger blüht und für keinerlei Krankheiten anfällig ist. Zahlreiche Insekten, von der Hummel bis zum Nachtfalter, werden von ihr in den Garten gelockt und können beim Besuchen der “Porzellanblüten” beobachtet werden. Damit Scheinanemonen ihre volle Wirkung entfalten können, ist es wichtig, sie wohlüberlegt im Garten zu verwenden. Die besten Effekte erzielt man mit größeren Gruppen von mindestens sieben Pflanzen, doch auch ein einzelnes Exemplar kann zum Blickfang werden, wenn es mit passenden Begleitstauden vergesellschaftet wird. Empfehlenswerte Partner, mit ähnlichen Anprüchen, sind etwa verschiedenen Farne, Funkien, Wiesenrauten, Purpurglöckchen, Krötenlilien und Elfenblumen. Wurzeln und bemooste Steine fügen sich ebenfalls recht harmonisch in die Umgebung einer Scheinanemone ein und erinnern an ihre urigen Heimat-Wälder.

Zahlreiche Insektenarten bestäuben die Blüten der Scheinanemone, wie etwa diese Honigbiene. Foto: Robert Höck
Wer Scheinanemonen vermehren möchte, kann die dickfleischigen Wurzelstöcke im Frühling vorsichtig teilen. Die Aussaat ist leider sehr unzuverlässig. Am ehesten gelingt sie, wenn man die Samen sofort nach der Reife in Töpfen im Kalten Kasten aussät.
Fazit: Die Scheinanemone mag vielleicht nicht zu den anspruchslosen Stauden gehören, aber das erwartet man eigentlich auch nicht von einer derart zauberhaften und speziell wirkenden Blume. Die Bedingungen die sie fordert, werden von der Freude die sie während der Blütezeit bringt, mit Leichtigkeit aufgewogen!
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