
Was tun mit überschüssigem Baumaterial? Bevor es sinnlos herumliegt, dachte ich mir, ich könnte damit ein „Beet“ gestalten und an der trockensten Stelle im Garten bot es sich gleichzeitig an winterharte Kakteen zu testen. Foto: Markus Meditsch
Stellen Sie bitte sich und Ihren Garten (Größe, Lage) kurz vor.
„Mein“ Garten ist, genau genommen, der Garten meiner Eltern, aber mit der Zeit hatte ich einen Teil für mich beansprucht. Von mir gestaltet und gepflegt werden nun geschätzte 650 qm. Hätte ich mehr Platz würde es mir recht sein, denn Platzmangel ist ein ständiges Leiden eines Sammlers, wie mir.
Als schönste Jahreszeit im Garten betrachte ich den Frühling. Nach dem meist milden Winter mit wenig Schnee kann ich das frische Wachstum kaum erwarten. Die trockenen Sommer sind manchmal ein Problem, aber im Grunde schätze ich mich mit dem burgenländischen (pannonischen) Klima im Osten Österreichs Glücklich.
Wie lange pflegen Sie Ihren Garten schon? Wie haben Sie ihn übernommen?
Nach dem ich den Garten schrittweise für mich beansprucht habe, kann ich das Zeitlich nicht genau einschränken. Der erste Spatenstich fand 1996 statt. Wort wörtlich, denn damals hatte ich spät abends angefangen eine Grube für den Teich auszuheben – ohne nach der Erlaubnis meiner Eltern zu fragen. Wirklich durchgestartet dürfte ich erst in den Jahren 1999 und 2000 sein, als ich meine gärtnerische Ausbildung begann. Zu dieser Zeit bestand der Garten nur aus Rasenfläche mit einigen Obstbäumen. Einzige Abwechslung war nur das Frühjahr wenn im Rasen Horste von Tulpen, Krokus und Schneeglöckchen aufgeblüht sind.

Unter den Birnbaum beherrschen Blattschmuckstauden das Bild. Nur im Sommer wird deren Herrschaft von Lilium `Scheherazade` übertrumpft, während Krokusse und Leberblümchen im Frühling den Ton angeben. Foto: Markus Meditsch
Wie haben Sie ihn gestaltet? Wo holen Sie sich Anregungen her?
Gibt es in meinen Garten ein gestalterisches Konzept? – Chaos ist eine andere Form der Ordnung.
Der Garten hat schon eine Ordnung und ist untergliedert, teilweise auch mit Gestaltungkonzepten, aber im Großen und Ganzen ist es nur ein Sammelwerk an Pflanzen.
Betrachtet man jedoch die Beete für sich gibt es ein Exotenbeet – dessen Pflanzliche Insassen mit Winterschutz versehen werden, einen „Steingarten“, ein Schattenbeet, ein Baustellen-Beet, ein Hosta-Beet, eine Ecke in der Leberblümchen gesammelt werden, usw.
Anregungen kamen und kommen aus Büchern, Internet und manchmal auch direkt bei einer Gärtnerei oder einem Gartenmarkt. Einige Inspirationen auch bei Besichtigungen der Gärten anderer Gartenfreunde.

. Exotisch und erstaunlich unproblematisch hat sich Dracunculus vulgaris erwiesen, die sogar ohne Winterschutz auskommt. Nur mit dem Gestank hat sie mich enttäuscht – diesen hätte ich mir schlimmer vorgestellt. Foto: Markus Meditsch
Was ist besonders an Ihrem Garten?
Die Vielfalt an Pflanzen in den Beeten, da ich meist keine Pflanze zweimal habe und die vielen kleinen Blumengeschöpfe wie z.B. die Kanadische Blutwurz, die leider nur für einen kurzen Zeitraum blüht.
Verschiedenste Gerüche – vom intensiven Duft der Rose ‚Rose de Resht‘, über den Geruch vom Muskateller Salbei (hier scheiden sich die Geister ob angenehm oder nicht) bis hin zum Gestank von Dracunculus vulgaris.

Im Frühling wirken die purpurnen Blüten der Lenzrose, vor dem Seidelbast-Strauch (Daphne mezereum) sehr effektvoll. Foto: Markus Meditsch
Wie sieht ein typischer Gartenalltag bei Ihnen aus?
Typischen Gartenalltag gibt es bei mir nur jedes zweite bis dritte Wochenende, wenn ich „meinen“ (elterlichen) Garten besuche. An erster Stelle kommt ein Kontrollgang, was wächst wie, wo ist etwas aufgeblüht, usw. Dann ist der Gartenalltag von Unkrautjäten und dem auspflanzen neu erbeuteter Pflanzen geprägt.

Eine stimmige Kombination bildet Papaver `Petty`s Plum`mit dieser Iris – eine Kombination die durch Zufall entstand. Foto: Markus Meditsch
Was „gibt“ Ihnen der Garten?
Manchmal Besorgnis, ob etwas gut wächst und ob ich noch Platz finde. Gelegentlich etwas zum Ärgern und meistens kurz bevor ich wieder wegfahre noch Stress weil ich noch so viel machen will.
Dennoch überwiegen die guten Gefühle. Die Freude, wenn man nach einiger Zeit wieder in den Garten kommt und alles wächst und gedeiht. Friede beim meditativen Unkraut zupfen und Stolz wenn man voller Freude eine Winzigkeit einem anderen Menschen zeigt und dieser staunend das betrachtet was die Natur hervorgebracht hat.

Die Blüte von Sanguinaria canadensis `Multiplex` wirkt so zart und zerbrechlich, wie sie tatsächlich ist. Nach viel zu kurzer Zeit rieseln die einzelnen Blütenblätter schon wieder ab. Foto: Markus Meditsch
Wo informieren Sie sich über Gartenthemen oder tauschen sich mit anderen Gartenenthusiasten aus?
Sehr vieles finde ich im Internet, dabei darf man aber nicht aus den Augen verlieren das gerade der Kontakt zu anderen Gartenenthusiasten wichtig ist. Gartenmärkte und Veranstaltungen bieten sich dafür an nicht nur neue Pflanzen zu erwerben, auch neue Kontakte kann man dabei knüpfen und Erfahrungen austauschen.
Welche Tipps würden Sie Gartenanfängern geben?
Drauf los und ausprobieren!
Das wichtigste ist seine Erfahrungen selber zu machen. Will etwas nicht so wachsen wie es soll, informiert man sich und probiert es erneut. Eine Pflanze hab ich nie gleich nach dem ersten gescheiterten Versuch aufgegeben.
Herzlichen Dank an Markus Meditsch für das Interview!
Markus Meditsch im Netz:
- Webseite http://www.virusviridis.at/
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