Stellen Sie bitte sich und Ihren Garten (Größe, Lage) kurz vor.
Mein Garten ist gleichzeitig der Garten meiner Eltern. Er liegt in Oberösterreich am Übergang zwischen Alpenvorland und Alpen hat eine Fläche von etwa 2100 m². Trotz einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von etwa 1000 mm ist der Boden eher trocken, da er sich auf eiszeitlichem Schotter befindet und unter der zwischen 30 cm bis 50 cm starken Humusschicht sofort Kies und Schutt anschließen. Der Boden ist daher sehr locker – fast schon sandig – und bedarf besonders in Schattenbereichen ständiger Verbesserung durch Mulchen und Laubhumus.
Meine Begeisterung für Pflanzen und Garten habe ich meiner Familie zu verdanken. Natur, Pflanzen und Tiere haben bei uns schon immer eine große Rolle gespielt und es war für mich ganz normal, Wildpflanzen beim Namen zu kennen und in der Erde zu wühlen. Auch das Gemüsegärtnern war mir schon immer vertraut, aber da ich Gemüse als Kind nicht besonders mochte, sammle ich in diesem Bereich erst seit kurzem Erfahrungen.
Wie lange pflegen Sie Ihren Garten schon? Wie haben Sie ihn übernommen?
Unser Garten entstand Anfang der 90er-Jahre im Zuge des Hausbaus. Die ersten Gartenbereiche waren die Hecken an den Grundstücksgrenzen, der Gemüsegarten meiner Mutter und einige Blumenbeete rund ums Haus. Auch wenn ich damals schon mitgeholfen habe, meine Begeisterung für Stauden und das Anlegen von Beeten entstand erst gut zehn Jahre später, als ich Zugang zum Internet bekam. Im Jahr 2002, ich war damals 15, hatte ich über Internetforen so viele Ideen angesammelt, dass ich meine Eltern überreden konnte, mich ein Beet im unteren Gartenbereich – damals noch eine vom Bauern geheute Wiese – anlegen zu lassen. Dabei hatte ich großes Glück, denn meine Pflanzenauswahl war offenbar gut, der Standort passend und innerhalb weniger Monate war mein Umfeld von meinen bisher eher belächelten Planungen überzeugt.
Wie haben Sie ihn gestaltet? Wo holen Sie sich Anregungen her?
Unser Garten gliedert sich – wohl auch, weil mehrere verschiedene Personen darin planen und pflanzen – in mehrere Teile. Es gibt Bereiche, die „gehören“ meiner Mutter, andere meinem Vater und weitere, in denen ich plane und pflanze. Wir helfen bei Arbeiten stets zusammen, aber dank dieser Regelung verhindert wir Ärger, wie etwa, wenn jemand etwas abschneidet, das sich aussäen sollte oder etwas ausreißt, das der andere gerne länger beobachtet hätte.
Allen Teilen gemeinsam ist, dass sie nicht formal, sondern in weichen Linien verlaufen, dass es Blickachsen gibt, die bewusst unterbrochen oder freigegeben werden und dass zum Großteil Stauden verwendet werden.
Ich verwende Stauden möglichst standortgerecht und verbessere die Bedingungen soweit, wie es für mich ökologisch noch sinnvoll und vertretbar ist. Dazu gehört für mich, auf Arten zu verzichten, derentwegen ich Torf einarbeiten müsste – aber ich sammle dafür in großen Mengen Laub und verwende den entstandenen Laubhumus. Beim Anlegen von Beeten achte ich auf die Höhe der Pflanzen und staffle sie nach Höhe, passe die Blütenform und -farbe aufeinander ab und achte auf kontrastierende Laubkombinationen.
Meine Anregungen stammen zu einem großen Teil aus dem Internet. In Foren, auf Webseiten und in Blogs werden tagtäglich so viele interessante Pflanzen gezeigt, Anlagen vorgestellt und Gartenprobleme durchdiskutiert, dass man alleine durch Mitlesen sehr viele Informationen bekommt. Ein weiterer Teil sind natürlich Gartenbücher und Zeitschriften und der Austausch mit Gleichgesinnten, Gartenbesuche und Gartenreisen und der Besuch von Gartenmärkten.

Phlox, Galega, Agastache und Orlaya grandiflora in einem drei Jahre altem Beet (Anfang Juli). Foto: Katrin Lugerbauer
Was ist besonders an Ihrem Garten?
Besonders an unserem Garten ist, dass wir keinerlei Gift verwenden, um Gemüse oder Stauden zu ziehen. Wir verwenden keine Spritzmittel und kein Schneckenkorn und haben dadurch, und auch aufgrund des naturnahen Schwimmteichs, viele Tiere im Garten. Dadurch entsteht auch öfters Ärger, wenn Maulwurfsgrillen, die unseren leichten Boden lieben, in die Salatpflanzungen einfallen oder Schnecken im Sommer die Hosta gelöchert haben. Die beiden letzteren Tiere sammeln wir hin und wieder ab, aber man erwischt ohnehin nie alle. Besucher verstehen oft nicht, dass einem naturnahe Bearbeitung wichtiger sein kann als makellose Hostablätter bis in den Herbst, aber ganz ehrlich: Die Ausfälle und Schäden halten sich meist in Grenzen.
Besonders am Garten ist sicher auch die hohe Vielfalt im Bereich Stauden. Es ist eine große Herausforderung an die Gestaltung, Pflanzen zu sammeln, aber ich finde manche Gattungen so faszinierend, dass ich immer wieder neue Arten und Sorten davon ausprobieren möchte. Dazu gehören in erster Linie die Elfenblumen, jene Stauden, die gesucht habe, als ich das erste Mal ein Gartenforum im Internet betrat: Sie waren in meiner Umgebung nicht erhältlich, keiner kannte sie und im Internet bot mir jemand Ableger an, mir wurden Gärtnereien empfohlen und über deren Kataloge geriet in an Storchschnäbel. Heute befinden sich mehr als 50 Arten und Sorten Epimediun, etwa 140 verschiedene Geranium, mehr als 100 Hosta und eine Vielzahl zarter, frühlingsblühender Schattenstauden in meinen Beeten.
Wie sieht ein typischer Gartenalltag bei Ihnen aus?
Es kommt sehr auf die Jahreszeit und die Dringlichkeit, mit der Arbeiten im Garten auf mich warten, an, wie sich ein Gartentag bei mir gestaltet. Im Idealfall gehe ich mit einer Tasse Tee und meiner Kamera durch den Garten, entdecke und fotografiere neue Blüten, Triebe und Kombinationen und nehme dann, wenn ich alles genug inspiziert habe, einen neuen Beetabschnitt in Angriff. Am liebsten lege ich Beete neu an, ordne die Pflanzen in den Beeten an und überlege lange, ehe ich sie dann einsetze. Mittags suche ich mir Zutaten und Gewürze in den Gemüsebeeten zusammen, koche etwas und genieße es draußen, mit Blick auf die Beete rund ums Haus. Am Nachmittag erledige ich die Gartenarbeiten, mulche die Schattenbeete, entdecke einige neue Sämlinge und fotografiere sie. Im Sommer schwimme ich eine Runde im Teich, im Frühling beobachte ich die Frösche und am Abend falle ich mit Muskelkater ins Bett.
Leider sind solche Gartentage nur selten möglich, aber auch eine Stunde oder nur ein Rundgang machen mich froh und ein kurzer Sprung in den Garten ist, zumindest im Frühling, wenn es im Garten am spannendsten ist, fast täglich möglich.

Diese Pflanzung mit Leucanthemella serotina, Sanguisorba, Nicotiana und Eupatorium ist zum Zeitpunkt dieses Fotos vier Monate alt (Ende September). Foto: Katrin Lugerbauer
Was „gibt“ Ihnen der Garten?
Mir gibt der Garten Möglichkeit zur Entspannung und zur verlässlichen Freude. Ich bin noch nie wütend aus dem Garten zurückgekehrt, denn es gibt zu jeder Zeit zahllose Dinge, worüber ich mich freuen und jeden Tag neue Dinge, die ich neu entdecken kann. Natürlich setzt das auch Kenntnis voraus; jemand, der sich mit Gärten nicht auskennt, wird nicht verstehen, was an winzigen Knospen im Winter so toll sein kann, aber ich kann mir vorstellen, wie es in ein paar Wochen aussehen wird und das macht mich ganz aufgeregt.
Vor Kurzem wurde in einem Forum diskutiert, ob Gärten auch im Winter gestaltet sein müssen (meine Beete sind das nämlich nicht) und ich habe geschrieben, dass Gärten im Winter für mich leer sein dürfen, die Stängel und das Gestrüpp, das ich erst im Frühling zurückschneide, reicht als Versprechen, dass es bald wieder wachsen wird. Ich denke, es ist genau diese Gewissheit, dass mein Garten immer blühen und wachsen wird, weshalb ich so gerne dreckige Fingernägel habe.
Wo informieren Sie sich über Gartenthemen oder tauschen sich mit anderen Gartenenthusiasten aus?
Ich habe das Internet und die ständig wachsende Gartencommunity schon erwähnt. Müsste ich alle meine Gartenfragen mit Büchern erklären, wäre meine Begeisterung für Pflanzen nicht so groß. Es ist ein unschätzbarer Vorteil, dass in Gartenforen fast immer jemand mitliest, der diese Probleme kennt, die in Frage kommende Staude schon getestet hat oder weiß, wo man diese und jene Pflanzen bekommen könnte. Ganz abgesehen davon lernt man andere begeisterte Gärtnerinnen und Gärtner kennen und kann Ideen und nicht zuletzt Pflanzen austauschen.
Kein Vergleich zum virtuellen Austausch sind Gartenbesuche im In- und Ausland und Gartenmärkte, bei denen man Bekannte trifft, neue Stauden entdeckt und neue Kontakte knüpfen kann.
Welche Tipps würden Sie Gartenanfängern geben?
Das wichtigste ist, zu überlegen, was man möchte und dann die Bedürfnisse dieser Pflanzen in Grundzügen recherchieren und einfach ausprobieren, dabei lernt man am besten. Bevor man in teure Bücher investiert, sollte man sich erstmal durch das Internet klicken, Bilder anschauen, Fragen stellen und dann in eine Gärtnerei fahren und bei guter Auswahl aussuchen, was einem gefällt. Da jeder Garten und jeder Boden anders ist, muss man vor allem Mut haben, etwas zu probieren, denn umpflanzen kann man immer noch. Und Beete niemals zu klein anlegen!
Herzlichen Dank an Katrin Lugerbauer für das Interview!
Katrin Lugerbauer im Netz:
Mein Blog: http://hardy-geranium.blogspot.com
Meine Homepage: http://www.geranium.at
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